Langfristige Beschwerden

Unter Stress werden differierende Körperareale und –systeme belastet, dies kann bei chronischem Auftreten zu Problemen in jenen führen.

Das Gehirn wird unter Stress so gesteuert, dass Information, die nicht zur Stressbewältigung genutzt werden können, eliminiert werden, um Platz für neue  Daten zu schaffen; langfristig minimiert sich ein elementarer Teil des Gehirns, der für Gedächtnisleistungen zuständig ist (Hippocampus). Dadurch nehmen die Gedächtnisfunktionen und die kognitive Leistungsfähigkeit ab.

Dauerhaft erhöhte Puls- und Blutdruckwerte  sowie die Blutverteilung zugunsten von  Muskeln und Gehirn führen zu Hypertonie (dauerhafter Bluthochdruck). Die vermehrten Erythrozyten (rote Blutkörperchen-->Sauerstofftransport) und Lipide (Fette) „verdicken“ das Blut, was zu Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) und schlimmstenfalls zum Herz- oder Gehirninfarkt führt.

Da man bei Dauerstress unentwegt angespannt ist, bekommt man Muskelschmerzen, vor allem im Rücken- und Nackenbereich. Damit der Muskel überhaupt dazu fähig ist, dauerhaft angespannt zu sein, wird Energie aus gespeichertem Fett und Zucker hergestellt und die Tätigkeit anderer Organe vermindert, z.B. die des Verdauungssystems. Die erhöhte Energiegewinnung steigert den Blutzucker- und den Cholesterinspiegel. Die verminderte Darmtätigkeit führt zu Verdauungsstörungen und Magen-Darm-Geschwüren, was bereits Selye 1936 bei seinen Versuchen mit Ratten entdeckte (s.o.) .

Auch die Produktion unserer freien Radikale gerät durch körperliche und seelische Stresssituationen aus den Fugen. Deren Bildung steigt erheblich an, es kommt zu „oxydativem Stress“. Im schlimmsten Fall erkrankt man an Krebs oder eine vorzeitige Alterung des Körpers wird eingeleitet.

 Zudem wird während der Stressreaktion das Immunsystem kurzfristig stärker aktiviert, dann aber in einen bedenklichen „Ruhezustand“ gebracht. Genauso verhält es sich auch mit der Schmerzempfindlichkeit: Kurzfristig wird der Körper auf eventuelle Verletzungen vorbereitet, langfristig steigt jedoch das Schmerzempfinden.

Die Schwächung des Immunsystems  zeigt mehrere Risikofaktoren auf. Die Infektionsanfälligkeit steigt und gleichzeitig hemmt das Cortisol Entzündungsreaktionen, welche  zur Genesung erforderlich sind (z.B. Fieber). Dies hat zur Folge, dass man unter Dauerstress leichter krank werden kann, die Krankheit jedoch nicht richtig ausbricht und somit ungewöhnlich lange andauert.

Auch im Verhalten zeigt Dauerstress seine Wirkungen: „Gestresste“ Personen neigen zu gesundheitlichem Risikoverhalten.  Um Anspannung und Nervosität abzubauen, wird zu Zigaretten, Alkohol und Beruhigungsmitteln (Schlafmittel) gegriffen. Wenn Stress mit Zeitdruck einhergeht, bleibt weder Zeit regelmäßig und ausgewogen zu essen noch Stress durch Sport oder Entspannung abzubauen.