Lazarus, R.:„Transaktionales Stressmodell” (1974)

Lazarus betrachtet Stresssituationen als komplexe Wechselwirkungen bestehend aus Situationsbelastungen und dem Handelnden selbst. Er geht davon aus, dass Stress vor allem von der Situationsbewertung abhängt und integriert damit das Individuum und dessen subjektive Einschätzung der Gefahr und der eigenen Ressourcen. Ebenso spielen Persönlichkeitsfaktoren (Selbstbewusstsein, Tatkraft usw.) und Situationsdeutungen (Überforderung, Ängstlichkeit, Optimismus usw.) eine wichtige Rolle in seiner Theorie.
Ein Subjekt mit positivem Selbstbild wird beispielsweise aktive Bewältigungsstrategien anwenden. 

Lazarus berief sich darauf, dass ein Stimulus nicht als stressvoll bezeichnet wird, weil er eine gewisse Schwelle überschreitet bzw. Intensität beansprucht, wie Selye mutmaßte, sondern weil das Individuum ihn als solchen bewertet.
Das Transaktionale Stressmodell  behandelt daher die drei Stufen der Situationsbewertung:

  1. Primärbewertung:
    Die Reize (eventuelle Stressoren) werden aufgenommen und auf ihre Gefährlichkeit  untersucht und beurteilt.
  2. Sekundärbewertung:
    Die Situation wird darauf untersucht, welchen physischen, psychischen und sozialen Schaden/Aufwand sie mit sich bringen kann.  Bewältigungsprozesse/Alternativen werden gesucht. Daraufhin wird in Abhängigkeit von Situation, Ressourcen und kognitiver Struktur eine Strategie erstellt.Diese Prozesse, welche eine Art Selbstregulation darstellen, bezeichnet man als "Coping".
  3. Neubewertung:
    Nachdem mögliche Verhaltensalternativen gegeneinander abgewogen, die Bedingungen geändert oder die Situation geleugnet wurde, wird die Gefahr erneut bewertet. Wird die Ausgangssituation/der Normalzustand nicht erreicht, muss durch eine Anpassung pathologischer Art eine Veränderung des Organismus erreicht werden. 
    --> Stressreaktion