Hobfoll,S.: "Theorie der Ressourcenerhaltung" (1988)

Die profunden Betrachtungsweisen dieser ressourcenorientierten Theorie spiegeln sich in folgenden Aussagen wieder.
Das menschliche Lebewesen neigt dazu seine Ressourcen zu schützen und neue hinzuzufügen. Diesbezüglich wirken sich einschneidende Ereignisse und alltägliche Stressoren manipulativ bzw. hinderlich aus.

Hobfoll definiert Stress als

Reaktion auf die Umwelt, in der der Verlust von Ressourcen droht, der tatsächliche Verlust von Ressourcen eintritt oder der adäquate Zugewinn von Ressourcen nach einer Ressourceninvestition versagt bleibt (vgl. Hobfoll/ Buchwald 2004:13)


Drohende Ressourcenverluste erzeugen bei den Individuen Stress, da  dies zur Folge hat künftigen Belastungen mit reduzierten Bewältigungspotenzialen entgegentreten zu müssen. Missglückte Investitionen in die eigenen Copingkapazitäten können ebenfalls als stressreich empfunden werden, da trotz getätigtem Einsatz kein zufriedenstellendes Ziel erreicht werden konnte. Hobfoll weist Ressourcen als einzig wahren Faktor aus, durch welchen sich das Phänomen Stress verstehen lässt. Diesbezüglich können jene als individuell wertgeschätzte Dispositionen, Konditionen und Energien verstanden werden. Weiterhin gliedern sich die menschlichen Ressourcen in folgende Unterkategorien:

  • Objekt-Ressourcen:  Z. B. Haus, Boot, Auto, Kleidung.
  • Personale Ressourcen: Empathie, Sozialkompetenzen, Verantwortungsbewusstsein.
  • Bedingungsressourcen:  Selbstbestimmung, Familienstand, gesicherter Arbeitsplatz.
  • Energieressourcen: Zeit, Wissen, Geld.

Ressourcengewinne bzw. –verluste, die mit einem Ereignis verknüpft sind, wirken sich wesentlich auf den Stressprozess aus. Das Ereignis selbst stellt jedoch lediglich den Ausgangspunkt dar.
Bsp.: Eine Prüfung ordnet sich in die Kategorie ‚kritisches Lebensereignis’ ein. Dieses birgt Gewinne und Verluste. Einerseits werden soziale Kontakte  und Freizeitaktivitäten eine Zeit lang reduziert, andererseits führt der Lernvorgang zu Wissenserwerb und steigert den Status. Das Resultat der utilitaristischen Kosten-Nutzen-Bilanz prägt das weitere Handeln (Hobfoll & Buchwald, 2004; Buchwald, 2002).
Die entstandenen Gewinne und Verluste können mit einer Ressourcen-Evaluations-Liste erfasst werden, wobei zu berücksichtigen bleibt, dass letztere, dieser Theorie zufolge, stärker ins Gewicht fallen(Conservation of Resources-Evaluation, kurz COR-E; Hobfoll, Lilly & Jackson, 1992; Hobfoll, 1998).

Weiterhin existiert die Hypothese, dass Menschen Ressourceninvestitionen tätigen, um drohenden Verlusten vorzubeugen und ihren Ressourcenschatz auszubauen.

Zusammenfassend  lässt sich sagen, dass ressourcenreiche Individuen Stress wesentlich bessern händeln können als ressourcenarme Subjekte.

--> Graphik (wird bald hinzugefügt)

„Multiaxiales Copingmodell“
Ein Modell, welches mit der Theorie der Ressourcenerhaltung assoziiert wird, ist das sogenannte „ multiaxiale Copingmodell“. Jenes konzeptualisiert stressbedingte Bewältigungsprozesse im Kontext objektiver Settingmerkmale und interpersoneller Beziehungskonzepte.
Die meisten Anforderungen stellen nicht nur persönliche, sondern auch mehrheitliche Probleme dar. Somit wird eine Bewältigungsbeteiligung aller betreffenden Personen gefordert. Diese beinhaltet jedoch auch eine gewisse Dependenz  von Anderen. Diesbezüglich spielen Faktoren, wie bspw. das Bedürfnis sozialer Akzeptanz, eine elementare Rolle.
Das multiaxiale Copingmodell versucht jenen Facetten gerecht zu werden, indem es Erklärungsansätze individueller und gemeinsamer Copingkonzepte integriert.
Anfänglich setzte es sich aus zwei Achsen zusammen (Hobfoll et al., 1994): Aktives vs. passives  sowie prosoziales vs. antisoziales Coping. Später fügte man eine dritte Achse (direkt vs. indirekten Coping )hinzu.

Aktiv-passiv-Achse :
Diese Achse beinhaltet wie aktiv/ passiv Individuen bezüglich der Bewältigung von Stresssituationen sind. Passivität spiegelt sich in Vermeidungsverhalten und Vorsichtigkeit wider. Auch präventive Maßnahmen werden hier berücksichtigt.

Prosozial-antisoziale Achse:
Prosoziales Coping impliziert Adaptionsverhalten, wie beispielsweise das Aufsuchen von Unterstützung, Kooperation oder auch ein positives, behutsames und empathisches Vorgehen.
Antisoziales Verhalten zeichnet sich durch das intentionale Verletzen Anderer, egozentrische Verhaltensweisen oder die bewusste Ignoranz von Verletzungen aus.

Direkt-indirekte Achse:
Indirektes Agieren bezüglich der Stressbewältigung ist darauf ausgerichtet spezielle Situationen so zu gestalten, dass ein gewünschtes Verhalten indirekt manipulativ erzeugt wird. Dadurch wird garantiert, dass dem Handelnden ein Gesichtsverlust, aufgrund möglicher Fehler, erspart bleibt und er diese unbemerkt selbständig korrigieren kann. Dies erzeugt in Gruppen meist eine große Harmonie, da jeder seinen Zielen treu bleiben kann.

(Hobfoll, 1998; Buchwald, 2007).